Kreislaufwirtschaft: Vom Recycling zum Redesign unserer Wirtschaft

Was bedeutet Kreislaufwirtschaft für Österreichs Unternehmen? Diese und andere Fragen wurden beim dritten TransformImpuls der BAK besprochen.


Am 18. Juni 2026 hat der TransformImpuls der Business Allianz Klima stattgefunden – mit 35 Teilnehmer:innen, die zwei Stunden lang gemeinsam diskutiert haben, was Kreislaufwirtschaft für Österreichs Unternehmen heute wirklich bedeutet. Vier Impulsgeber*innen lieferten dafür den fachlichen Input: Maximilian Mauracher, Eva Eidinger-Simacek, Markus Huemer und Evelina Lundqvist.

Vom linearen zum zirkulären Wirtschaften

Maximilian Mauracher, Geschäftsführer von NEW STANDARD.S, eröffnete mit dem Grundprinzip der Circular Economy: Statt im linearen Modell Ressourcen zu entnehmen, Produkte herzustellen und am Ende wegzuwerfen, folgt zirkuläres Wirtschaften drei Leitsätzen – Abfall und Verschmutzung vermeiden, Produkte und Materialien mit ihrem höchsten Wert im Kreislauf halten und Natur und Umwelt regenerieren.

Wie dringend dieser Umstieg ist, machte er an einer Zahl fest: Bis 2050 fehlen uns kritische Mineralien im Wert von rund 12 Billionen Dollar. Anhand mehrerer Praxisbeispiele zeigte er, dass Kreislaufwirtschaft längst kein Nischenthema mehr ist, sondern sich wirtschaftlich auszahlt:

        Montanwerke Brixlegg setzt seit 1977 auf Schrotte und Sekundärmaterialien und ist weltweit der einzige Hersteller von 100 % Recycling-Kupfer – mit voller Transparenz und Nachverfolgbarkeit nach dem Prinzip „Made in Europe“. Vertriebsverantwortlicher Steffen Rieger bringt es auf den Punkt: Aus Commodity-Ware wird so ein Premium-Produkt, mit dem sie heute Kunden weltweit beliefern.

        Decathlon führte in Deutschland Circular Services nach französischem Vorbild ein und repariert mittlerweile auch Fremdprodukte. Laut CSO Anna Turrell kommen Kund*innen, die zirkuläre Produkte kaufen oder Services nutzen, doppelt so oft – mit einem doppelt so großen Warenkorb.

        Tchibo startete ein Refurbished-Programm für hochpreisige Kaffeevollautomaten. Circularity Managerin Kristina Kölling berichtet: Ein Drittel der Kund*innen dieses Programms sind Neukund*innen, die sich die gewohnte Tchibo-Qualität dadurch erstmals leisten können.

Den europäischen Rahmen brachte Mauracher mit einem Zitat von Teresa Ribera, EU-Kommissarin für Wettbewerb, ins Spiel: Die Kreislaufwirtschaft sei essenziell, um Europas Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Abhängigkeit von importierten Ressourcen zu verringern – die Transformation sei kein Schicksal, sondern etwas, das Europa selbst aktiv gestaltet.

Kreislaufwirtschaft im großen Maßstab: Das Beispiel Lidl Österreich

Eva Eidinger-Simacek von Lidl Österreich präsentierte mit „REset RESOURCES“, wie Kreislaufwirtschaft innerhalb eines ganzen Konzern-Ökosystems gedacht wird. Die Schwarz-Gruppe – zu der neben Lidl auch Kaufland, Schwarz Produktion, PreZero und Schwarz Digits gehören – verfolgt eine konzernweite Strategie entlang der Themenfelder Verpackungen, Produkte, Bau, Food Waste, Wertstoffmanagement und Verwertungsverfahren, zusammengefasst unter dem Leitsatz: „Wir setzen auf Kreislaufwirtschaft, indem wir Ressourcen schonen, Abfälle vermeiden und unsere Geschäftsmodelle kreislauffähig gestalten.“

Konkret bedeutet das eine Weiterentwicklung von der bisherigen Plastic-Packaging-Strategie mit Zielen bis 2025 hin zu einer ganzheitlichen Circular-Economy-Strategie mit Zielen bis 2030. Eingebettet ist dieser Weg in den „Global Commitment 2030“ der Ellen MacArthur Foundation, bei dem die Schwarz-Gruppe als Mitglied gelistet ist – ein Signal, dass Kreislaufwirtschaft im Handel kein Pilotprojekt, sondern langfristige Unternehmensstrategie ist.

Regionale Kreisläufe als Antwort auf knapper werdende Rohstoffe

Markus Huemer von Mission PET lieferte den technischsten und zugleich greifbarsten Praxisbezug des Nachmittags. Seine Anlage ist seit Juli 2023 operativ und verarbeitet jährlich 14.000 Tonnen Material – mit Fokus auf Regionalität bei Equipment und Materialströmen, von Bottle-to-Bottle- bis zu Tray-to-Tray-Anwendungen.

Sein zentrales Problem: Woher kommt künftig der Rohstoff für technische Anwendungen? Transparente Flaschen und Bottle Flakes aus der Lebensmittelindustrie sind zunehmend für eben diese Industrie reserviert, bunte Bottle Flakes werden seltener. Seine Lösung: flexible Aufbereitungsanlagen, die unterschiedliche Materialströme verarbeiten und vor allem upcyceln können. Denn, so Huemer: Nicht jede Anwendung braucht Food-Grade-Bottle-Granulat.

Vom Zuhören zum Tun

Im interaktiven Teil übernahm Evelina Lundqvist, Ansprechperson von Circular Monday Austria, die Moderation. Circular Monday ist eine internationale Bewegung, die 2017 in Schweden von Alexandra Davidsson und Henning Gillberg gegründet wurde – als nachhaltiger, sichtbarer Kontrast zum Black Friday, mit Fokus auf die 12-R-Strategien: Reparatur, Wiederverwendung und bewussten Konsum. Die gesamte Arbeit ist ehrenamtlich organisiert; 2025 erreichte die Bewegung weltweit über 108 Millionen Menschen, mit 1.500 zirkulären Unternehmen in der Datenbank, präsent in 58 Ländern.

Mit dem Format „My First Circular Business Move“ waren die Teilnehmer*innen zu einer strukturierten Reflexion eingeladen -  anhand von fünf Leitfragen:

·       Was treibt die eigene zirkuläre Reise voran?

·       Wo geht aktuell Wert verloren?

·       Was ist die nächste zirkuläre Chance?

·       Welcher zirkuläre Wert verdient mehr Sichtbarkeit?

·       Und wie lässt sich Circular Monday nutzen, um Nachfrage und Teilnahme zu fördern?

Was es jetzt von der Politik braucht

Der TransformImpuls hatte auch das Ziel, herauszuarbeiten, welche politischen Rahmenbedingungen Unternehmen jetzt einfordern sollten. Die Business Allianz Klima vertritt dazu drei zentrale Forderungen:

1.     Ein effektives Klimaschutzgesetz mit klaren und verbindlichen Zielen

2.     Wirksame Maßnahmen zur Umsetzung bestehender EU-Richtlinien und internationaler Verpflichtungen

3.     Gezielter Einsatz von Fördermitteln und steuerlichen Anreizen zur Dekarbonisierung der Wirtschaft

Speziell für die Kreislaufwirtschaft heißt das konkret: ein langfristiger Transformationsplan zur Sicherung des effizienten Ressourceneinsatzes über alle Sektoren, Maßnahmen für zirkuläres Produktdesign, Reparier- und Wiederverwendbarkeit sowie die Weiternutzung von Abfallprodukten – verankert in klaren, planbaren rechtlichen Rahmenbedingungen, statt in Stop-and-go-Politik.

Fazit

Der gestrige Nachmittag hat anhand von vier sehr unterschiedlichen Perspektiven – vom Designprinzip über die Konzernstrategie bis zur regionalen Rohstoffversorgung und zur Graswurzelbewegung – gezeigt: Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, wenn sie an mehreren Stellen gleichzeitig ansetzt. Damit aus diesen Impulsen tatsächlich Veränderung wird, braucht es jetzt verlässliche politische Rahmenbedingungen. Die Business Allianz Klima wird diese Forderungen weiterhin aktiv in den politischen Diskurs einbringen.

Danke an Maximilian Mauracher, Eva Eidinger-Simacek, Markus Huemer und Evelina Lundqvist für ihre Impulse – und an alle 35 Teilnehmer*innen für die engagierte Diskussion!

Ansicht der Teilnehmenden am Transformimpuls vom 18. Juni 2026

Teilnehmende und Miro-Board am TransformImpuls