(Politisches) Engagement – Hebel und Hürden für Unternehmen

Schweigen ist eine Entscheidung. Und Engagement hat einen Preis. Darüber haben wir beim TransformImpuls der BAK ehrlich gesprochen.


Hoch über Wien, im Skylobby der ÖBB, kam am 17. September eine Runde Unternehmer:innen und engagierte Menschen aus NGOs zusammen. Keine Hochglanzpräsentationen, keine Podiumsdistanz. Stattdessen drei Kurzimpulse und die Fragen, die uns alle beschäftigen: Was wirkt wirklich? Was bremst uns? Und was kostet es uns persönlich, wenn wir uns einmischen oder wenn wir es lassen?

Daniel Gratzer: „Mehr, als wir denken“

Daniel Gratzer (The Flourishing Society) forscht an der Schnittstelle von kontemplativer Psychologie, buddhistischer Philosophie und Nachhaltigkeit. Er zeigte, dass wir nie direkt aus einer Situation heraus handeln, sondern aus den Geschichten und Sätzen, durch die wir sie verstehen. Diese Sätze bringen Annahmen mit, die mitentscheiden, welche Lösungen wir überhaupt in Betracht ziehen und wie wir uns auf andere beziehen.

Aktuelle Forschung zeigt, dass gerade erfahrene Fachleute naheliegende Alternativen oft übersehen. Sein Angebot: Wer die eigenen Annahmen erkennt, gewinnt Handlungsspielraum. Und Verständnis für die Gegenseite ist die wirksamere und weniger erschöpfende Haltung, also jene, die uns dranbleiben lässt. In diesem Dokument sind übrigens Übungen für mehr Wohlwollen enthalten.

Nikolaus Skarabela: Technologieentschlossenheit statt Abwarten

Nikolaus Skarabela verantwortet bei Schachinger Logistik in Hörsching Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit. Er zeigte, was passiert, wenn man Klimaschutz nicht nur fordert, sondern umsetzt:

        mehr als 20 E-Lkw im Einsatz, über 2 Millionen Kilometer Fahrleistung pro Jahr

        mehr als 600.000 Liter Diesel und über 2.000 Tonnen CO₂ eingespart, jedes Jahr

        am Standort Hörsching bereits rund 7.000 kWp Photovoltaik und ein Batteriespeicher, der als größter Logistikspeicher Europas gilt

Seine zentrale Botschaft: Auch ohne Förderung sind E-Lkw in vielen Bereichen wirtschaftlich überlegen. Sein Rat an alle Unternehmen: „Beginnen Sie jetzt. Stellen Sie eine Kostenrechnung auf.“ Und er stellte die Frage, die hängen blieb: Energiekosten oder Vermögensaufbau? Österreich gibt rund 15 Mrd. Euro pro Jahr für fossile Importe aus, Schachinger allein würden sie etwa 30 Mio. Euro kosten.

Paul Ploberger: „Das neue Normal“

Paul Ploberger, Public Affairs Lead bei refurbed, erzählte, warum politisches Engagement dort zum Alltag gehört. Sein Motto: „Die Regeln ändern sich – mit oder ohne uns.“ refurbed setzt auf drei Hebel: als Unternehmen, als Teil größerer Bewegungen und in Branchenverbänden.

Sein „Warum“ ist Aktivismus aus Notwendigkeit: aus Überzeugung, wegen des Kosten-Nutzen-Verhältnisses und weil es Identifikation und Bindung schafft. Vor allem aber, weil Kreislaufwirtschaftspolitik der Kern des Geschäftsmodells ist. Die Ergebnisse der letzten zwölf Monate: Gespräche mit ranghohen Politiker:innen in Österreich, Deutschland und Brüssel, die Definition von „Refurbishment“ in der Ökodesign-Gesetzgebung, die Mitarbeit am Right to Repair sowie Arbeit an Preisobergrenzen für Ersatzteile im EU Ecodesign Forum.

Was wir mitnehmen

Dass Engagement viele Formen hat: laut oder leise, im eigenen Betrieb, im Verband oder in der Öffentlichkeit.

Dass gute Beispiele überzeugen, wenn sie mit Zahlen und Mut erzählt werden.

Dass unsere Annahmen mehr entscheiden, als wir denken.

Und dass wir das nicht allein tragen müssen. Allianzen wie die Business Allianz Klima sind dazu da, sich gegenseitig Mut und Inspiration zu bieten.

Du willst Teil der Business Allianz Klima werden? Die BAK ist ein Zusammenschluss führender österreichischer Unternehmen, die sich gemeinsam für ambitionierte Klimapolitik einsetzen. Mehr erfahren